Monika Schrickel

Monika Schrickel

Monika Schrickel

Zum Tod von Monika Schrickel (1940-2022)

Monika Schrickel – eine Institution. Sie setzte Zeichen in der Kunstszene des Saarlandes.

Als Künstlerin mit Ausstellungen und Editionen, Vorstandsmitglied im Saarländischen Künstlerhaus (1986-2004), Vorsitzende des Bundesverbandes Bildender Künstler im Saarland (bis 2020), Sachverständige in Kunst- und Kulturausschüssen.


War sie von einer Idee, einem Projekt überzeugt, setzte sie sich ein! Sie wusste zu organisieren, zu überzeugen; beim Aufbau von Ausstellungen überwachte sie, legte Hand an.


Ihre Arbeit für die Ausstellung des BBK Saar „Terror trifft Kunst“ (2016, Abteihof in Wadgassen) mit dem Zitat eines Kriegsliedes „Sag mir wo die Blumen sind“ ist angesichts des Krieges in der Ukraine von verstörender Aktualität. Ihr Haus beherbergt derzeit eine ukrainische Familie...


Ihr Weg zur Kunst ist labyrinthisch. 1940 in Bautzen geboren, 1957 Abitur in Leipzig, 1959 ihr Weg im Zug über die deutsch-deutsche Grenze (mit Hilfe wissender Mitreisender) nach Hannover. Ihre kirchliche Trauung fand am 13. Mai 1961 dort statt, ihre Trauerfeier (und Finissage ihrer Ausstellung) in der Johanneskirche in Saarbrücken am 13. Mai 2022... Seit 1961 lebte sie im Saarland.


Da waren Familie, Brotberufe. Ihren künstlerischen Weg beginnt sie Ende der 60er Jahre, mit Studien bei Willi Spiess. Prägend sind Literatur, Philosophie. Musik bedeutet ihr viel, sie spielt Geige in einem Orchester. Ihre Portraits „Musiker des 20. Jahrhunderts“ aus den 1970er Jahren und die rhythmisch "komponierten" Bildern aus (Schrift-) Zeichen zeugen davon.


Hatte sie je herzhaft gelacht? Ihrem Lächeln wohnten Ernst und Schwere inne. Der frühe Tod der Eltern, in der Kindheit, Brüche, Zwänge patriarchalischer Strukturen – die Herausforderungen des Lebens waren zeitweise (70er Jahre) zu groß, ihre Seele zerbrach. Doch sie stand wieder auf.


Gläubig war sie. Evangelisch getauft, fand sie über ihren Mann zur Gemeinschaft der neuapostolischen Kirche, die ihr Halt gab. Nur wenige Jahre vor ihrem Tod konvertierte sie zur evangelischen Kirche, zurück zu ihren Wurzeln. Sie lebte Gemeinschaft, auch im BBK Saar. Mit der Künstlerinnengruppe, deren Mitbegründerin sie ist (1985), unternimmt sie Studienreisen und stellt u. a. im Frauenmuseum Bonn aus.


Ihre Kunst entwickelt sich aus der Auseinandersetzung mit dem Kubismus, über Strukturen in den 80er Jahren zu einer informell anmutenden Malerei in den 1990er Jahren. Ihr großes Thema – Schrift, ihre Bilder – eine Welt der Zeichen. „Schrift und Sprache machen uns Menschen aus.“ Da war ihr „Staunen über Kulturen, Schriften, die Vielfalt der grafischen Zeichen“, die sie aufgreift und in – bisweilen kryptischen – Zeichen und Gestaltungen deutet, nicht selten auf hauchdünnen Seidenpapieren, langen Bahnen, die wie alte Papyrus-Rollen geheime Botschaften versinnbildlichen. Es sind Anklänge an europäische Zeichen, arabische, kyrillische, griechische, hebräische. Es geht um das Kulturgut Schrift. Sprechend – die Titel ihrer Werke: „Offenes Buch“, Blätter mit "Manuskripten", gestaltet wie aufgeschlagene Bücher. Ein geöffnetes Buch öffnet eine Welt. „Schriftungen“ – Gebilde, die zu atmen scheinen. "Öffnungen" – entstanden um und nach dem Tod ihres Mannes 2013. Der Tod eines Menschen öffnet eine Pforte in eine andere Dimension.


Monika Schrickel machte sich auf, ihre Zeichen zu finden, Zeichen, die archetypische Zeichen des Menschen berühren. Ihre Bilder voller Zartheit behaupten sich leise, in einer lauten Welt.


Ihr künstlerischer Abschied am Ende ihres Lebens manifestiert sich in kleinen pointillistisch anmutenden Gemälden. Sie erinnert ihre Kindheit im Krieg, Ruinen, eingebettet in eine lebendige lichtvolle Sphäre. Erahntes Licht der Anderswelt? So laut sie ihre Stimme für die Kunst erhoben hatte, so still verabschiedete sie sich, in der Karwoche. Mögen ihre Werke auch nach ihrem Tod Zeichen setzen.


Monika Bugs

Foto: Monika Bugs

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