Monika Bugs - Skriptural
 

Die skripturale Zeichnung


 
   Katze
   Skripturale Zeichnung, 2010

   Tusche auf Papier
   29,7 x 21 cm


Die skripturale Zeichnung - Geheimnis der Linie? Geheimnis der Form? Form ohne Form?
Ein Gefüge aus Linien, Schwüngen, Zeichen. Ergebnis eines Skribax? Ergebnis der Impulse
einer Hand, die sich schreibend austobte?
Im Anfang war das Wort (Johannes 1,1). Ein Wort. Manchem Wort wohnt in jeder Sprache
eine andere Konnotation inne, gemäß der Kultur einer Sprachgemeinschaft. Die Katze
(als 'weibliches' Wort für die Art den Kater einschließend) heißt im Französischen le Chat.
In der Aneinanderreihung und Überlagerung eines Wortes verdichtet sich eine Zeichnung.
In der Schwingung eines Momentes im Leben, die sich selbst in der Körperhaltung - ruhend
oder angespannt - manifestiert.
Das Schreiben desselben Wortes in schier unendlicher Wiederholung ist ein Akt innerer
Sammlung. Es ist Bewegung im Gleichmaß, nicht Ausdruck absoluter Gleichförmigkeit.
Bisweilen ist Innehalten vonnöten, um zum Gleichklang eines rhythmischen Schreibens
zurückzufinden. Wird der Fluß des Zeichnens unterbrochen, durch äußeres Einwirken,
eine Unachtsamkeit, Nachlässigkeit, entstehen formale Brüche, Spalten, Vernarbungen
einer Formfigur. Doch gerade diese Störung mag die innere Mitte eines Bildes sein.
Im Nachsinnen über ein Wort verbünden sich menschliches Denken und Fühlen mit dem
Korpus einer Lineatur. Eine eigene Energie entsteht. Die Zeichnung als Seismograph der
Seele, Seelenskript. Körper Seele Geist - vermählt im Atem einer Zeichnung.
Die Zeichnung - Spiegel des Lebens.

Monika Bugs, 15. April 2010

© Monika Bugs