Zeichnung

   
Zeichnungen von Monika Bugs (2009), Graphit auf Papier (29,7 x 21 cm)
Der Blick der Katze / Cri intérieur / Ohne Titel


Mein Thema: Die Katze.
Die Katze in Verbindung mit dem Menschen. - Über sie ver(sinn)bildlichen sich
Seelenzustände. Empfindungen wie innere Stille, Fragilität oder Aufruhr vermitteln sich,
Gefühle von Ohnmacht, Schmerz, Verzweiflung, Wut, Stärke oder Liebe und Zartheit -
ausgelöst durch das Leben, von Menschen, Erfahrungen, die Atmosphäre eines Gesprächs
mit einem vertrauten Menschen. Energien, Archetypen des Menschseins manifestieren
sich bildnerisch. In der alten Technik der Handzeichnung, Graphit auf Papier.
Menschen, Gesichter übten immer eine Faszination auf mich aus, Menschen in ihrer
Mimik, lebensvoll, von Glück, Trauer oder von Krankheit gezeichnet. Im Gesicht eines
Menschen spiegelt sich das Bild seiner Seele, finden sich die Spuren seines gelebten Seins.
In der Beziehung zum Menschen wird die Katze zum Bindeglied zur Natur. Eine Katze in
sein Leben einzubeziehen, ihr Wesen erkennen, 'das Andere' respektierend, ist auch ein
Zeichen von Humanität, unserer Achtung vor der Schöpfung, in der Mensch und Tier
gleichermaßen eingebunden sind.
Am Anfang einer Zeichnung steht der unbewusste Impuls, die Energie des Augenblicks,
die ich fließen lasse in unmittelbar auf das Blatt gewischten Strukturen. In absichtslosem
Geschehen-Lassen füllen Grundformen den Bildraum, der Energie des Augenblicks Form
gebend. In diesen Grauschleiern zeigen sich mir Gestalten, Gesichter, deren Wesenheit
ich zu lesen suche. Ich spüre den Zeichen nach, folge den Spuren und verdichte sie.
In den unbestimmten Strukturen aus Graphit erscheint eine Welt Form gewordener
Empfindungen. Die künstlerische Handlung - das Gegebene aufnehmen und zu einer
neuen Wirklichkeit wandeln, im Zusammenspiel von unbewusster Kraft und bewusster
Gestaltung. Das Unbewusste und das Bewusste münden in eine Über-Wirklichkeit, im
Sinne des Surrealismus.
Jede Zeichnung entsteht in einem Kontinuum, in der Schwingung eines Zustandes der
Seele, eines Momentes im Leben. Es entstehen schwebende Gebilde, die durch den
Raum zu ziehen scheinen, kaum greifbar, wie in Träumen, in denen sich Zeiten und
Orte der Messbarkeit entziehen, als wollten sie uns an die Vergänglichkeit des Lebens
gemahnen.

Monika Bugs, im Februar 2009



Tuschzeichnung

   
Tuschzeichnungen von Monika Bugs (September 2009), 29,7 x 21 cm und 36,5 x 29,7 cm (Mitte)

Die Katze steht für den Menschen. Das Dunkle für seine Schatten. Sinnbildhaft vermitteln
sich Augenblicke des Seins. Trauer, Leid, Zorn gehören zum Leben. Das Dunkel bedingt
das Lichte.
In den Tuschzeichnungen entfalten sich fließend Strukturen aus den vorgegebenen Linien,
nur bedingt lenkbar. Eigenwillig, dem Gesetz des Zufalls folgend, bahnen sich Gebilde,
Wege in den Raum, Bild gewordene Schwingungen menschlichen Fühlens.

Monika Bugs, 30. September 2009



Die skripturale Zeichnung


Skripturale Zeichnung von Monika Bugs (2010), Tusche auf Papier, 29,7 x 21 cm, Katze


Die skripturale Zeichnung - Geheimnis der Linie? Geheimnis der Form? Form ohne Form?
Ein Gefüge aus Linien, Schwüngen, Zeichen. Ergebnis eines Skribax? Ergebnis der Impulse
einer Hand, die sich schreibend austobte?
Im Anfang war das Wort (Johannes 1,1). Ein Wort. Manchem Wort wohnt in jeder Sprache
eine andere Konnotation inne, gemäß der Kultur einer Sprachgemeinschaft. Die Katze
(als 'weibliches' Wort für die Art den Kater einschließend) heißt im Französischen le Chat.
In der Aneinanderreihung und Überlagerung eines Wortes verdichtet sich eine Zeichnung.
In der Schwingung eines Momentes im Leben, die sich selbst in der Körperhaltung - ruhend
oder angespannt - manifestiert.
Das Schreiben desselben Wortes in schier unendlicher Wiederholung ist ein Akt innerer
Sammlung. Es ist Bewegung im Gleichmaß, nicht Ausdruck absoluter Gleichförmigkeit.
Bisweilen ist Innehalten vonnöten, um zum Gleichklang eines rhythmischen Schreibens
zurückzufinden. Wird der Fluß des Zeichnens unterbrochen, durch äußeres Einwirken,
eine Unachtsamkeit, Nachlässigkeit, entstehen formale Brüche, Spalten, Vernarbungen
einer Formfigur. Doch gerade diese Störung mag die innere Mitte eines Bildes sein.
Im Nachsinnen über ein Wort verbünden sich menschliches Denken und Fühlen mit dem
Korpus einer Lineatur. Eine eigene Energie entsteht. Die Zeichnung als Seismograph der
Seele, Seelenskript. Körper Seele Geist - vermählt im Atem einer Zeichnung.
Die Zeichnung - Spiegel des Lebens.

Monika Bugs, 15. April 2010

Informationen: Monika.Bugs[at]t-online.de
© Monika Bugs